Rapunzel-Glockenblume

Campanula rapunculus – Campanulaceae

Campanula rapunculus – Die Rapunzel-Glockenblume wird bis zu 1 m hoch. © Weinzettl

Campanula rapunculus – Die sehr schmalen Kelchblätter tragen am Grunde je 2 bis 3 kleine Zähne. © Knickmann

Die Rapunzel-Glockenblume ist in Österreich stark gefährdet. Die Bestandszahlen schwanken stark und können in "guten" Jahren über die Gesamtsituation hinwegtäuschen. Für den Erhalt der Art setzt sich der Botanische Garten der Universität Wien ein.

Aussehen und Standortansprüche

Die Rapunzel-Glockenblume ist eine stattliche Glockenblumen-Art, die bis zu 100 cm hoch werden kann. Ihre Grundblätter sind zur Blütezeit meist schon vertrocknet. Die auffallend aufrecht stehenden Blüten sind in einer Rispe angeordnet, die einzelnen Rispenäste sind ebenfalls auffällig straff aufrecht bis abstehend. Charakteristisch für die Art ist auch ihre rübenförmige Wurzel. Die Blütezeit ist von Mai bis in den Juli. Hat es ein Individuum innerhalb von zwei bis drei Jahren zur Blüte geschafft, stirbt es danach ab. Die Art kommt auf trocken-warmen Magerrasen vor, in Österreich gibt es sie nur im Tiefland.

Verbreitung

Die Rapunzel-Glockenblume ist eine europäische Art (exklusive Nordeuropa) mit einem submediterranen Verbreitungsschwerpunkt. Nach Osten kommt sie bis in den Iran vor. In Österreich gibt es sie nur noch im nördlichen Burgenland. In Niederösterreich ist sie seit Anfang des 20. Jahrhunderts ausgestorben.

Gefährdung und Schutz

Die Art wird in der Roten Liste Österreichs als stark gefährdet ("Endangered") geführt. Sie ist selten, die Bestandsentwicklung ist rückläufig und das Risiko eines weiteren Rückgangs besteht. Gefährdungsursache ist das lokal begrenzte Vorkommen der Art. Die Art wurde ehemals als Wurzelgemüse genutzt. Eine Nutzung und damit Dezimierung der natürlich vorkommenden Bestände ist nicht auszuschließen. Zur Stützung des österreichweit einzigen Bestandes im Nordburgenland werden Samen zur Anzucht von Jungpflanzen gesammelt und als Reserve eingelagert.

Besonderheiten

Von Jahr zu Jahr können die Bestandszahlen der Rapunzel-Glockenblume an ihrem einzigen Fundort im Nordburgenland stark schwanken. 2018 wurden zum Beispiel mehrere Tausend Exemplare gezählt. Ob die Art auf Grund ihrer Nutzung als Wurzelgemüse am Ende "nur" ein Kulturrelikt ist, wird kontrovers diskutiert. In der Roten Liste der Farn- und Blütenpflanzen Österreichs wird sie als heimische Art behandelt.