Amorphophallus titanum – Titanenwurz

Amorphophallus titanum – Blütenstand in Entwicklung mit dem Botaniker David Prehsler © BGUW_R. Hromniak

Amorphophallus titanum – Titanenwurz am ersten Tag der Blüte © Jan Knickmann

Amorphophallus titanum –Stark bewurzelte Knolle mit Blatttrieben © BGUW_R. Hromniak

Amorphophallus titanum – Topf im Forschungsgewächshaus © BGUW_R. Hromniak

Zum ersten Mal hat im Botanischen Garten der Universität Wien im Mai 2022 eine Titanenwurz geblüht. Ihr Blütenstand zählt zu den größten Blumen der Welt. Neben den beeindruckenden Dimensionen fällt er vor allem durch einen bestialischen Gestank auf. Die Blütezeit währt nur etwa zwei Tage und ist eines der spektakulärsten Naturereignisse überhaupt.

Die Titanenwurz (Amorphophallus titanum) aus der Familie der Aronstabgewächse kommt aus Indonesien und lockt dort mit ihrem riesigen Blütenstand winzige Insekten an, die als Bestäuber dienen. Der große Kolben an der Spitze des Blütenstands erwärmt sich dabei und setzt einen bestialischen Gestank frei, der an einen verwesenden Kadaver erinnert.

Seit 2019 wächst ein Exemplar im Botanischen Garten der Universität Wien. Die Pflanze kommt aus dem Botanischen Garten der Universität Salzburg, wo sie 2019 geblüht hat. Während der zweitägigen Blüte Ende Mai 2022 in Wien kamen mehr als 7.000 BesucherInnen, um das Naturwunder zu bestaunen. Mehr als 50.000 Menschen waren außerdem per livestream dabei.

Ruhephase und Blatt

Nach einer mehrmonatigen Ruhephase hat die Knolle im Herbst 2022 begonnen, neue Triebe zu bilden, die sich zu baumgroßen Blättern entfalten werden. Anders als üblich hat die riesige Knolle statt einem gleich drei Blatttriebe entwickelt!
Die Pflanze wurde in ein (nicht öffentlich zugängliches) Forschungsgewächshaus umgesiedelt, wo die nötigen Wachstumsbedingungen herrschen. Der riesige Topf musste dort in die Erde eingelassen und gegen die Bodenkälte isoliert werden. Nur so kann - hoffentlich - gewährleistet werden, dass die bis zu 5 Meter hohen Blätter nicht an die Glashausdecke anstoßen, wenn sie voll entfaltet sind.

 

Steckbrief

  • Deutscher Name: Titanenwurz
  • Wissenschaftlicher Name: Amorphophallus titanum – der Name bedeutet übersetzt so viel wie "gigantischer unförmiger Penis".
  • Spitzname: Willi – benannt nach dem herausragenden Wiener Erforscher der Aronstabgewächse Heinrich Wilhelm Schott (1794-1865).
  • Verwandtschaft: Willi ist ein Aronstabgewächs (Familie Araceae). Er ist mit dem in Österreich heimischen Gefleckten Aronstab eng verwandt. Auch beliebte Zimmerpflanzen wie Fensterblatt, Philodendron und Calla zählen zu den Aronstabgewächsen.
  • Alter: Das Alter von Willi ist nicht einfach festzulegen. Die Mutter­pflanze mit unbekanntem Alter wurde 1992 am Natur­standort gesammelt. 1999 wurde Gewebe entnommen und im Labor vermehrt. Eine der daraus entstandenen "Klone" wurde 2006 aus dem Labor in die Erde verfrachtet und gelangte über Umwege schließlich zu uns. Streng genommen ist Willi also 16 Jahre alt.
  • Größe und Gewicht: Willi kam mit einem Knollengewicht von rund 40 Kilo zu uns in den Garten. In den letzten 3 Jahren hat er sein Gewicht auf 80 Kilo verdoppelt. Sein Blütenstand erreichte 2 Meter Höhe.
    Auch das Laubblatt von Willi wird mehrere Meter hoch. Das nächste Blatt erscheint nach dem Ende der Blüte, nachdem die Pflanze eine mehrmonatige Ruhephase durchlaufen hat. Mit seinem dicken Stamm und der großen Blattspreite erinnert es an einen Baum, es handelt sich dabei aber um ein einzelnes Blatt.
  • Herkunft: Die Titanenwurz ist auf Sumatra (Indonesien) heimisch. Willi verbrachte seine ersten Lebensjahre im Labor in Bonn, bevor er 2019 für kurze Zeit nach Salzburg übersiedelte, von wo er noch im selben Jahr nach Wien kam.

 Infoblätter zu dieser Pflanze