Die Bromeliensammlung des "Botanischen"

Aechmea carvalhoi © Till

Neoregelia cruenta © Till

Tillandsia edithae © BGUW_R. Hromniak

Vriesea ospinae © Till

Die Bromelien-Forschungssammlung des Botanischen Gartens der Universität Wien (HBV) enthält etwa 800 Arten aus 48 Gattungen. Davon stammen etwa 75 % von bekannten Fundorten. Die Pflanzen werden für verschiedene Forschungsprojekte verwendet. In beschränktem Ausmaß werden auch gefährdete Arten im Garten erhalten (ex situ-Erhaltung).

Die Familie der Ananasgewächse (Bromeliaceae), kurz Bromelien, umfasst ca. 3.000 Arten und 60 Gattungen. Der deutsche Familienname verrät, dass eine der bekanntesten Bromelien die Gattung Ananas ist. Weitere bekannte Gattungen sind u.a. Tillandsia oder Bromelia. Sie alle gehören zu den Einkeimblättrigen, wie auch Palmen, Lilien und Gräser.

Bromelien sind auf dem amerikanischen Kontinent von den Tropen bis in mediterrane Klimate verbreitet. Nur eine einzige Art, Pitcairnia feliciana, kommt im tropischen West-Afrika vor. Bromelien besiedeln sowohl feuchte als auch trockene Lebensräume. Viele sind so genannte Aufsitzerpflanzen und wachsen auf Bäumen (epiphytisch) und Felsen (lithophytisch). Viele Arten sind gut an Trockenheit angepasst.

Ein großer Teil der Bromelien blüht nur ein Mal, dann stirbt die Mutterrosette, man spricht von "hapaxanthen Pflanzen". Die Vermehrung erfolgt bei diesen ausschließlich über Samen. Häufig werden jedoch bereits während der Blüte vegetative Vermehrungssprosse gebildet ("Kindel").

Mit ihren oftmals farbigen Rosetten sind Bromelien als zierende Trichterpflanzen bekannt. In der Natur dient der Trichter nicht nur der eigenen Ernährung, sondern ist auch Lebensraum für viele Organismen. Spezielle Saughaare an der Basis der Blätter nehmen aus dem Trichter Wasser und gelöste Nährstoffe auf. Die Wurzeln dienen hauptsächlich der Verankerung. Bei manchen Tillandsien dienen die Wurzeln lediglich der Anheftung. Bei ihnen sind die Saughaare über das gesamte Blatt verteilt. Durch Lufteinschluss zwischen den Saughaaren und der Blattoberfläche wirken diese Pflanzen grau. Erst bei Befeuchtung sieht man das Blattgrün.

Forschungsprojekte am Botanischen Garten umfassen an Bromelien Untersuchungen zur Verwandtschaft und Evolution der Familie bzw. von Gattungen und Unterfamilien. Es werden die Genomgrößen, der Pollen-, Narben-, Samen- und Blütenbau sowie der Bau der Saughaare untersucht.

Jüngste molekularbiologische Untersuchungen haben gezeigt, dass die großen bekannten Gattungen Guzmania, Tillandsia und Vriesea in der traditionellen Definition keine natürlichen Einheiten darstellen. Die molekularen Stammbäume der Familie zeigen klare geografische Entwicklungsmuster: der Ursprung der Ananasgewächse liegt im Norden Südamerikas im Bereich des Guayana-Schildes, die Tillandsien hingegen haben ihren Ursprung wahrscheinlich in den nördlichen Anden.

Infoblätter zu dieser Pflanze