Systematische Gruppe

Systematische Gruppe © Barbara Knickmann

Systematische Gruppe © Barbara Knickmann

Gruppennummern: 1-14, 16-19

Die Systematische Gruppe des Botanischen Gartens der Universität Wien nimmt etwa die Hälfte der öffentlich zugänglichen Gartenfläche im Freiland ein. Sie ist die größte aller Schaugruppen und ist wiederum in 18 Bereiche gegliedert.

Eine systematische Gruppe ist fixer Bestandteil der meisten botanischen Gärten. In solch einer Schaugruppe werden die verwandtschaftlichen Beziehungen der einzelnen Pflanzen-Arten untereinander anschaulich gemacht. Das bedeutet, dass die Arten im Gartengelände nach ihrer Verwandtschaft angeordnet sind. Diese botanischen "Systeme" haben oft den Beigeschmack von "Kompliziertheit", sie gelten als Domäne der Wissenschaft und damit für das allgemein interessierte Publikum als wenig relevant. Zudem werden sie vielfach als ästhetisch nicht so ansprechend wahrgenommen wie z.B. ein Alpinum. Entsprechend klein fallen "Systeme" heute oft aus. Zudem liegen sie in vielen Gärten eher dezentral in den Randbereichen.

Die Erforschung von Verwandtschaft im Pflanzenreich wird an der Universität Wien seit über zwei Jahrhunderten auf höchstem Niveau betrieben. Somit stellt die Präsentation des "Systems der Pflanzen" bis heute eine Kernaufgabe des Botanischen Gartens der Universität Wien dar.

Die zentrale Lage und das Ausmaß der Systematischen Gruppe spiegeln die Bedeutung wider, die dieser Thematik bereits von ihrem Initiator Stephan Endlicher Mitte des 19. Jahrhunderts beigemessen wurde. Endlichers 1836 erschienenes Werk "Genera plantarum secundum ordines naturales disposita", das er im Garten umsetzen ließ, basierte bereits auf Abstammung. Aus wissenschaftshistorischer Sicht ist der Zeitpunkt der Veröffentlichung insofern besonders bedeutsam, da noch fast zwei Jahrzehnte vergehen sollten, bis Darwins "Of the origin of Species" publiziert wurde, das ja durch seine Theorien der Abstammungslehre die Wissenschaft revolutionierte.

Gezeigt wurden in der ursprünglichen Gestaltung nicht nur die zwei-keimblättrigen, sondern auch die einkeimblättrigen Pflanzen, Nacktsamer und sogar Algen. Diese wurden in den Wasserbecken kultiviert, die aus der barocken Gestaltung des Gartens übernommen worden waren. Es wurden viele neue Pflanzen-Arten angezogen, deren Zahl über einen damals verfassten Katalog bekannt ist: Hier sind über 8.000 Arten verzeichnet.

Die Anlage der Systematischen Abteilung erfolgte auf didaktisch sehr kluge Art, bei der auch die Topografie des Gartens mit einbezogen wurde. Die morphologisch "weniger entwickelten" Arten machten im nördlichen, tiefer gelegenen Teil den Anfang, weiterentwickelte Arten standen damit also auch im baulichen Sinn weiter oben. Arten einer Gattung pflanzte man unmittelbar nebeneinander, nahe verwandte Gattungen wurden im selben oder in benachbarten Beeten angeordnet. In den untersten Bereichen des Systems wurden neben den Magnoliengewächsen (Magnoliaceae) zahlreiche Bäume, u.a. aus den Familien der Platanengewächse (Platanaceae), Ölbaumgewächse (Oleaceae; zu dieser Familie gehört zum Beispiel der Flieder), und Sapindaceae (Gattung Rosskastanie, Aesculus) gepflanzt.

Hier befanden sich auch Familien wie Rosengewächse (Rosaceae) oder Schmetterlingsblütler (Fabaceae). In den obersten Bereichen waren diejenigen Familien zu finden, die von Endlicher als am höchsten entwickelt eingestuft wurden, so zum Beispiel die Korbblütler (Asteraceae), die auch in modernen Systemen am oberen Ende der Entwicklungsreihe stehen. An das System der zweikeimblättrigen Pflanzen schloss sich das Monokotylenparterre mit den einkeimblättrigen Arten an.

Die von Endlicher entwickelte und v.a. unter Eduard Fenzl angelegte Systematische Abteilung blieb, speziell was die zweikeimblättrigen Pflanzen betrifft, als Anlage und in großen Teilen auch in der Bepflanzung über viele Jahrzehnte weitgehend unverändert erhalten. Dies trifft vor allem auf die Gehölze zu. Einige davon, zum Beispiel die beiden Tulpenbäume (Liriodendron tulipifera) in Gruppe 3, stammen noch aus der Zeit der Gründung des Systems. Darin liegt der Wert dieser Anlage - ein wissenschaftshistorisch wertvolles Dokument, in seiner Ausdehnung als Systematische Abteilung eines botanischen Gartens einmalig.

Vom System der Vergangenheit zum System der Zukunft

Ein System kann immer nur eine Momentaufnahme des derzeitigen Wissensstandes darstellen. Und jedes System in einem botanischen Garten ist nur so gut, wie es in sich konsistent ist und einen klaren zeitlichen Bezugspunkt hat. Im Botanischen Garten der Universität Wien wurden immer wieder kleinere Adaptierungen im System vorgenommen. Historische Pflanzpläne erlauben es aber festzustellen, welche Änderungen wann stattgefunden haben. Ein besonders wertvolles Zeitzeugnis dieser Veränderungen ist ein umfassender Pflanzplan der krautigen Arten aus der Zeit von 1894-1897 (Direktorat von Anton Kerner von Marilaun), dessen Original sich im Archiv der Universität Wien befindet. In diesem Plan sind im System Rundbeete zu erkennen, pro Rundbeet ist eine Art gelistet.

Da in den letzten zwei Jahrzehnten, vor allem durch die Forschungsergebnisse auf molekularer Ebene, viele neue Erkenntnisse über die Verwandtschaftsbeziehungen von Pflanzen erzielt wurden, ist - im Kontext des 650-Jahr-Jubiläums der Universität Wien - die Entscheidung gefallen, ein den neuesten Wissenstand widerspiegelndes System auf verständliche Art und Weise abzubilden.

Dabei sollen jedoch die wissenschaftsgeschichtlich relevanten Entwicklungsschritte, die im Garten durch die Pflanzungen verortet sind, präsent bleiben und in ihrer Bedeutung erläutert werden. Ein erster Schritt in diese Richtung ist das Projekt des "Endlicher-Fenzl-Kerner-Weges", der im Zentrum der Systematischen Gruppe angelegt und 2015 eröffnet wird. Hier werden Aspekte der historischen Entwicklung des Systems im Botanischen Garten im Kontext der Entwicklung des wissenschaftlich-botanischen Erkenntnisgewinns und -wandels, aber auch als Folge gesellschaftlich-wirtschaftlicher Änderungen dargestellt.

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